Monatsmarkt Biel

Monatsmarkt Biel
Nebst Strassenmusikanten und Abendverkauf sorgten Markthändlerinnen und Markthändler mit ihren Ständen für ein Einkaufsflair mit südländischem Ambiente.

Was mit grossem Aufwand und Investitionen von Betreibern der Einkaufszentren ausserhalb des Stadtzentrums als Anziehungsmagnet inszeniert wird, erhielt die Innenstadt damit umsonst. Doch nun soll Schluss sein mit dem monatlichen flanieren durch Biels Einkaufsstrasse. Die Mitglieder vom Nidaugassleist wollen die Passanten für sich alleine nutzen, wollen diese in ihre Geschäfte locken, die Verkaufsstände des Marktes vor ihren Schaufenstern sind unerwünscht. Diese würden die Kunden von den Geschäften abhalten.

So soll der Markt nun auf den Neumarktplatz, ausserhalb des Einkaufszentrums verlegt werden. Doch wer die Geschichte der Nidaugasse Biel kennt weiss, dass dieser Schuss für die Geschäfte auch nach hinten losgehen könnte. Denn in der Nidaugasse Biel gibt es keine grossen Anziehungspunkte mehr für ein lustvolles «Lädele» und Einkaufen. Die Zeiten von EPA und ABM sind COOP und Manor geopfert worden. Bally, BATA, Molkerei Grünig, Belle, der Bären, die Volksbank und viele mehr, sind einer nach dem anderen verschwunden. Die Folgen: Die Nidaugasse versinkt in eine sterile Einkaufsmeile so wie damals, als sich die oben genannten Geschäfte verabschieden mussten, mangels Kundenfrequenz. Mc Donald und Loeb vermögen diese Lücken nicht zu schliessen.

Wo soll also die Reise des Verkaufsstroms durchführen?

Der Markt soll auf den Neumarktplatz, in eine inzwischen tote Ecke für einen Stadtbummel zügeln. Das Angebot Marktwaren soll den Passanten der Einkaufsmeile vorenthalten bleiben. Die vom Nidaugassleist organisierten Märkte wie Bauern- und Weihnachtsmarkt sollen davon natürlich nicht betroffen sein!

Die Händlerinnen und Händler des Monatsmarktes wollen die Verschiebung ihres Standortes nicht einfach so hinnehmen. Sie wissen um ihre Anziehungskraft für eine Belebung der Innenstadt, haben dies in den letzten Jahren durch einen sehr erfolgreichen Aufbau des Marktes Biel bewiesen.

Der Nidaugassleist hat in dieser Hinsicht in den letzten Jahren kein gutes Gespür bewiesen. Der Bauernmarkt ist mager bestückt und der Weihnachtsmarkt wird alleine von der Ecke der Bieler Burger getragen. Der Nidaugassleist hat auch immer mehr Mühe, die Stände am Weihnachtsmarkt mit traditionellen Marktangeboten zu füllen. Zahlreiche Holzhäuschen bleiben zunehmend leer. Da ist dann auch COOP willkommen um einige Franken in die Kasse des Organisators zu spülen.

Soll sich der Stadtrat also an den Verlierern messen? Sollen der Bauern- und Weihnachtsmarkt die durch den Nidaugassleist organisiert werden, privilegiert und weiterhin in der Nidaugasse durchgeführt werden? Müssten diese Märkte nicht auch auf den Neumarktplatz verlegt werden? Auch deren Marktstände werden mit Händlern aus der ganzen Schweiz besetzt und nicht mit Angeboten der Nidaugassgeschäfte!

Nachdem die Nidaugasse immer unattraktiver wird für einen Geschäftsbummel und viele Bielerinnen und Bieler lieber in Bern einkaufen, kann der Entscheid der Marktverlegung für die verbleibenden Geschäfte in der Nidaugasse den Todesstoss bedeuten. Denn der Markt zieht Leute in die Nidaugasse und hilft mit, diese zu beleben. Passanten nehmen dabei auch die ansässigen Geschäfte wahr, was Chancen bietet.

Dass sich gerade Geschäftsleute gegen eine kostenfreie Belebung der Innenstadt wehren und die Stadt auf die Einkünfte der Händlergebühren verzichten will, ist unverständlich. Ob die Einkaufszentren in den Agglomerationen ihre Chancen erkennen werden? Denn in Zukunft dürfte sich der Markt in neue Passantenlagen einfügen. Wie wäre es denn im Center Brügg auf dem Parkplatz, oder beim Hornbach, Jumbo oder bei Coop Walserplatz? Klar ist, ein Markt belebt, egal an welchem Standort. Aber dem Autoverkehr beim Marktplatz sollten sich die Händler nicht aussetzen. Zu einfach wäre es da für einen durchgeknallten Lastwagenfahrer der Todesopfer sucht, sein Ziel zu erreichen!

Text:
Der Schweizer Marktkalender: Hildegard Hirzel